Sicherheit und Personalbesetzung

Sicherheit und Personalbesetzung

Eine hohe Sicherheit im Öffentlichen Verkehr ist für viele Fahrgäste von großer Bedeutung. Die Verkehrsunternehmen und der Nahverkehr Rheinland möchten diese durch diverse Vorgaben und Maßnahmen sichern. Dabei sollte zunächst jedoch zwischen den englischen Begriffen „Safety“ und „Security“ im Bereich Sicherheit unterschieden werden. „Safety“ meint den Bereich der betrieblichen Unfallvermeidung und obliegt im Schienenverkehr insbesondere den Vorgaben des Eisenbahnbundesamtes und der Umsetzung durch die Verkehrsunternehmen. Die „Security“ ist hingegen für die Kriminalprävention zuständig und wird unter anderem durch die Bundespolizei gewährleistet. In diesem Bereich engagiert sich ebenfalls der Nahverkehr Rheinland mit dem Ziel der Verbesserung des Sicherheitsgefühls der Fahrgäste, aber auch dem der Mitarbeiter im Nahverkehr. Diverse Projekte und Konzepte wurden in den letzten Jahren dazu finanziert, geplant und durchgeführt. Die sehr positive Entwicklung der Ergebnisse bei Kundenumfragen zeigen die Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Seit 2014 wurde die Zufriedenheit mit der Sicherheit – sowohl im Zug als auch an den Stationen – signifikant verbessert.

Wir wollen Ihnen in diesem Bereich eine Übersicht über die einzelnen Themenfelder im Bereich Sicherheit (Security) im SPNV geben. Die Konzepte basieren dabei auf unterschiedlichen Bausteinen. Insbesondere die Personalkonzepte sind hierbei zu nennen. So wissen Fahrgäste, die Zugbegleiter oder Sicherheitspersonal im Zug sehen, dass es einen Ansprechpartner gibt, der bei Problemen helfen kann.

Der NVR befasst sich seit seiner Gründung im Jahr 2008 mit dem Thema Sicherheit im SPNV. Dieses umfasst sämtliche Aspekte rund um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste. Auch bei der Planung eines sicheren Ablaufs der An- und Abreise bei Großveranstaltungen wie Karneval, „Kölner Lichter“, der Spielemesse Gamescom oder den zahlreichen publikumsintensiven Fußballspielen in der Region ist der NVR eingebunden. Im Gebiet des NVR finden jährlich knapp 20 Großveranstaltungen statt. Die zusätzlichen Zugfahrten bei Fußballspielen, im NVR-Gebiet insbesondere des 1. FC Köln und von Bayer Leverkusen, haben den Zweck, den Regelverkehr von geballt auftretenden Fußballfans bei Auswärtsspielen zu entlasten. Darüber hinaus wurden bereits seit 2008 über die Ausschreibung von Verkehrsverträgen die Zugbegleit- und Sicherheitspersonalquoten sowie weitere sicherheitsrelevante Rahmenbedingungen vorgegeben.

Der NVR gibt in den Ausschreibungen und Verkehrsverträgen der einzelnen Linien und Netze die Rahmenbedingungen für diverse Bereiche im Schienenpersonennahverkehr vor.

Für das Themenfeld Sicherheit sind dies insbesondere die folgenden Rahmenbedingungen:

  • Personalbesetzung (bspw. Zugbegleiter und Sicherheitspersonale)
  • Technische Ausstattung in den Fahrzeugen (bspw. Videoausstattung und Notrufsystem)
  • Fahrzeugdesign und Einrichtung
  • Erstellung von Konzepten und Netzwerkbeteiligung

Der NVR und der SPNV-Markt in NRW sind in ständigem Austausch, auch bezüglich der Umsetzung der Vorgaben sowie von Anpassungserfordernissen. Wichtig ist eine gute Abstimmung von übergeordneten Sicherheitszielen der Aufgabenträger und dem Land sowie den Erfahrungen aus dem täglichen Betrieb der Verkehrsunternehmen. Daher fordert der NVR in seinen Ausschreibungen von Verkehrsleistungen inzwischen regelmäßig Sicherheitsberichte von den EVU ein, die die Situation auf den einzelnen Linien darstellen sollen.

Eine der wesentlichsten Säulen für die Sicherheit im SPNV ist die sogenannte Zugpersonalquote, also die Vorgabe, wie viele Zugbegleiter und Sicherheitspersonale wann in den Fahrzeugen geplant sind. In den vergangenen Jahren haben sich die Anforderungen an das Personal sowie an den Umfang der Begleitung der Fahrten durch Service- und Sicherheitspersonal deutlich erhöht. Dabei werden die sicherheitsbedingt kritischen Fahrten, wie Abend- und Nachtverkehre, i.d.R. auch mit höheren Quoten besetzt. So werden zum Beispiel im Kölner S-Bahn-Netz in den Abendstunden Sicherheitspersonale in Doppelstreifen eingesetzt. Die deutlich stärkere Präsenz in den Fahrzeugen führt jedoch auch zu einer Steigerung der Übergriffe auf Zugpersonal. Um das Personal möglichst gut auf derartige Situationen vorzubereiten, werden Vorgaben zur Qualifizierung, Weiterbildung, Ausstattung und Verhalten in den Verkehrsverträgen gefordert. Die Anforderungen und Aufgaben für den Einsatz von Sicherheits- und Servicepersonal wurden seitens des Landes NRW in einer Leitlinie definiert, welche der NVR den Vergabeunterlagen bei SPNV-Ausschreibungen regelmäßig als Anlage beifügt.

In den letzten Jahren wurden im Zuständigkeitsbereich des NVR insbesondere folgende Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit durch höhere Personalpräsenz durchgeführt bzw. sind geplant:

  • Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 werden die S-Bahn-Fahrzeuge in den Abend- und Nachtstunden von Sicherheitspersonalen in Doppelstreifen begleitet.
  • Den aktuellen Verkehrsausschreibungen werden im Tagesverlauf i.d.R. ein Zugbegleiter und in Nächten vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zwei Zugbegleiter je Fahrt zugrunde gelegt.
  • Für die Linien des Rhein-Ruhr-Express (RRX) ist bei Doppeltraktion der Einsatz von zwei Zugbegleitern je Fahrt vorgesehen.
  • Im Zusammenhang mit Großveranstaltungen wie Karneval, den Kölner Lichtern, der Gamescom, Rhein in Flammen oder Fußballspielen werden vom NVR zusätzlich Sonderverkehre bestellt. Sie sollen – zusammen mit einem erhöhten Personaleinsatz – dazu beitragen, die Sicherheitssituation der Veranstaltungen und der besonders stark frequentierten Stationen und Züge zu verbessern.

Ein weiterer Baustein, der diesen positiven Trend beeinflusst hat, sind die bereits weitverbreiteten Videoanlagen in den SPNV-Fahrzeugen. Sie ermöglichen die Strafverfolgung von bereits erfolgten Taten und dienen der Abschreckung möglicher Täter. Mitentscheidend für eine Nachverfolgung von Straftaten ist auch die Dauer, wie lange die Daten gespeichert werden dürfen. Die drei Aufgabenträger in NRW verabschiedeten ein gemeinsames Positionspapier zur zukünftigen Sicherungszeit von Videodaten, welches sich sowohl auf die Datenschutzrichtlinien als auch an betriebliche Rahmenbedingungen bezieht. In NRW sind nach der Betriebsaufnahme des Rhein-Ruhr-Express (RRX) ca. 90 % aller Fahrzeuge mit Videokameras ausgestattet. Das langfristige Ziel sind 100 %.

In allen Neufahrzeugen, die der NVR über Ausschreibungen seit dem Jahr 2008 bestellt hat, sind Videoaufzeichnungssysteme vorhanden. Zudem wurden im Jahr 2014 die S-Bahn-Fahrzeuge nachgerüstet. Die Aufzeichnungen entsprechen den Datenschutzbestimmungen und der Zugriff ist ausschließlich durch polizeiliche Anfragen und Auswertungen möglich.

In den SPNV-Ausschreibungen werden vom NVR eine Fahrzeugausstattung und ein Design gefordert, das ein angenehmes und offenes Erscheinungsbild in den Zügen garantiert. Der Einsatz von sichtdurchlässigen Glaswänden und -türen ist ein Mittel, dem Fahrgast ein positives subjektives Sicherheitsgefühl zu geben.

Dabei sind Trennwände transparent zu gestalten und Türen müssen einen ausreichend breiten Durchgang ermöglichen. Innerhalb eines Triebwagens bzw. zwischen den einzelnen Waggons eines Zuges ist eine Durchgangsmöglichkeit mit größtmöglicher Transparenz vorzusehen. Die Ausleuchtung soll eine helle und freundliche Innenraumgestaltung unterstützen. Die Beleuchtung soll dabei blendfrei ausgeführt werden und eine gleichmäßige Ausleuchtung des Innenraums gewährleisten. Ziel ist die Vermeidung dunkler Ecken und die Verbesserung der subjektiven Sicherheit.

Unterstützt werden die Aufgabenträger durch zusätzliche Fördermittel des Landes für spezielle Programme und Pilotprojekte, die die Sicherheit im SPNV fördern oder untersuchen sollen. Im Nahverkehr Rheinland gibt es seit April 2018 ein zweijähriges Pilotprojekt zum Einsatz von Bodycams auf Linien des SPNV. Zudem werden über das Kompetenzcenter Sicherheit (ggf. Verlinkung) weitere Aspekte landesweit analysiert, erprobt und umgesetzt. Insbesondere ist hier die Sicherheitsdatenbank NRW zu nennen. 

Bodycam-Pilot im NVR: Im Rahmen ihrer Aufgabenwahrnehmung sehen sich Sicherheitskräfte und Zugbegleitpersonal in den letzten Jahren zunehmend Übergriffen ausgesetzt. Mit Bodycams (Körperkameras) ausgerüstetes Personal stellt einen Baustein eines Gesamtkonzeptes zur Sicherheit im SPNV dar, das sich aus geschultem Personal, dessen (technischer) Ausrüstung und in den Fahrzeugen eingebauter Technik (Video, Notruf etc.) zusammensetzt. Bei der Bodycam handelt es sich um eine sichtbar am Körper getragene Videokamera, die nach einer Handlungsanweisung aktiviert wird und ein Geschehen in unmittelbarer Umgebung dokumentiert. Sie ist ein zusätzliches technisches Hilfsmittel beim Personaleinsatz und dient primär der Kriminalprävention, der Deeskalation und dem eigenen Schutz. Im Einzelfall kann sie auch der Aufklärung von Straftaten dienen. Im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) mit Bodycams eingesetztes Personal soll zudem das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrgäste unterstützen.

Der NVR prüft anhand dieses Pilotprojektes die grundsätzliche Wirksamkeit und die Einsatzmöglichkeiten von Bodycams bei Sicherheitskräften und Zugbegleitpersonal. Dabei liegt ein Hauptaugenmerk darauf, ob und inwieweit der Einsatz von Bodycams eine präventive bzw. deeskalierende Wirkung hat und zu einer Verringerung von Übergriffen auf Sicherheitskräfte und Kunden beitragen kann. Darüber hinaus wird die Wirkung auf die objektive Sicherheit und das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrgäste sowie auf eine verbesserte Eigensicherung der Sicherheitskräfte untersucht.

Auf der Grundlage der Praxiserfahrungen sollen Empfehlungen für den regelmäßigen Einsatz von Sicherheits-, ggf. auch Zugbegleitpersonal mit Bodycams im SPNV sowie Unterlagen zur Personalschulung entwickelt werden. Schließlich besteht das Ziel, im Rahmen einer Evaluation des Projektes die in dem Piloten gewonnenen Ergebnisse so aufzuarbeiten, dass diese auch auf andere Linien und Linienbetreiber bzw. Eisenbahnverkehrsunternehmen übertragbar sind. Zudem sind grundsätzliche Aussagen der datenschutzrechtlichen Aspekte sowie die juristische Akzeptanz des durch die Bodycams erfassten Videomaterials zu treffen und zu analysieren.

Sicherheitsdatenbank NRW: In der gemeinsamen Sicherheitsdatenbank NRW sollen Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, die vom Zugpersonal in den Fahrzeugen wahrgenommen werden, von allen in NRW beauftragten Eisenbahnverkehrsunternehmen erfasst werden. Die hiermit gewonnenen Sicherheitsdaten sollen zu statistischen Zwecken, zur Lagebilderstellung für ganz NRW, für den gezielten Einsatz von Service- und Sicherheitskräften sowie zur Entwicklung von Präventionsstrategien aufbereitet werden. Das Kompetenzcenter Sicherheit (KCS) wird auf dieser Grundlage jährlich einen NRW-Sicherheitsbericht verfassen.

Die Datenbank soll darüber hinaus dazu herangezogen werden, landesweit einheitliche Konzepte für die Sicherheit zu entwickeln, sowie Maßnahmen und Projekte zu bearbeiten, die von besonderem Landesinteresse sind. Sie soll die Aufgabenträger bei ihrem Bemühen unterstützen, die objektive und subjektive Sicherheit der Fahrgäste im ÖPNV zu erhöhen. Die Erstellung der Datenbank wird durch das Land NRW gefördert.

Beim Thema Sicherheit ist eine gute Vernetzung entscheidend. Nur wer in Problemsituationen die richtigen Ansprechpartner und Experten kennt, kann schnell und effektiv reagieren. Daher ist der Nahverkehr Rheinland Bestandteil eines NRW-weiten ÖPNV-Sicherheit-Netzwerkes.

Eine Säule des Netzwerkes ist der Landesweite Arbeitskreis (LAK) Sicherheit des beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr angesiedelten Kompetenzcenters Sicherheit (KCS) NRW. Sicherheitsthemen werden hier gemeinsam zwischen Vertretern des Landesverkehrsministeriums, der Verkehrsunternehmen, der Bundes- und Landespolizei sowie der SPNV-Zweckverbände regelmäßig beraten. Konkrete Themen der Zusammenarbeit sind neben dem Erfahrungsaustausch beispielsweise die Erarbeitung einer Qualifizierungsleitlinie für Service- und Sicherheitspersonal im SPNV sowie von „Ausrüstungsstandards“ für Service- und Sicherheitspersonal im SPNV.

Auf Bundesebene engagiert sich der NVR in einer Arbeitsgruppe der Verkehrsverbünde (ViASi – Verbünde im Austausch für Sicherheit) und im Unterausschuss Security des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Regionale Netzwerke im Gebiet des NVR ergänzen die landes- und bundesweiten Arbeitskreise.